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Schlagwort-Archive: alternative photography

Papiernegative vergrössern mit einem ERNEMANN MEGASKOP aus den 20er Jahren

Grundsätzlich ist es ja nicht unbedingt nötig, Papiernegative zu vergrössern, da die meisten Anwender ja so oder so im Grossformat fotografieren. Trotzdem habe ich mir bei der Arbeit mit alten Kameras und kleinen Formaten wie z.Bsp. 6×6 überlegt, wie man diese Bilder einfach vergrössern könnte.
Papiernegative sind ja nicht durchscheinend und können nicht mit konventionellen Vergrösserern verarbeitet werden – ausser man verwendet einen sogenannten Auflichtprojektor, auch Episkop genannt. Und genau ein solches Monstrum befindet sich in meiner Antiquitätensammlung: Ein original ERNEMANN MEGASKOP aus den 20er Jahren.

ernemann_megaskop_1920

Also wurden die vergammelten Kabelverbindungen kurzerhand erneuert und die innenliegenden Spiegel wieder auf hochglanz aufpoliert.

ernemann_megaskop_1920_4

An die Wand meiner Dunkelkammer habe ich eine weisse PVC-Platte montiert und darauf den passenden Bildausschnitt markiert. Auch die genaue Position des MEGASKOPS auf meiner Arbeitsplatte wurde mit Klebeband markiert und einem ersten Test stand nun nichts mehr im Wege.
Als Photopapier hatte ich noch FORTE Baritpapier aus dem Jahre 1974 vorrätig. Ich wusste, dass dieses Papier aufgrund seines Alters nicht mehr besonders schnell sein würde und habe es mit ISO 0.5 gewertet. Die Lichtstärke des MEGASKOPS musste ich einfach schätzen. Nach etwas hin und her habe ich für die erste Belichtung eine Dauer von 1 Sekunde gewählt.

megaskop02web

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Um das Streulicht des Projektors zu minimieren habe ich ihn vor dem Belichten mit einem schwarzen Tuch abgedeckt.
Bei Rotlicht wurde dann das Baritpapier an die Wand geklebt und von Hand habe ich den Projektor für eine Sekunde eingeschaltet. Danach wurde ganz normal entwickelt und es zeigte sich sehr schnell, dass meine Schätzungen für den ersten Versuch sehr gut waren.

megaskop_enlarger_02

Oben links im Bild seht ihr das verwendete Papiernegativ. Klar zu verbessern ist die Schärfe der Projektion. Ob dies nun an der Optik des antiken MEGASKOPS liegt oder ob ich ganz einfach nicht sauber scharf gestellt habe weiss ich nicht. Das nächste Mal werde ich die Scharfstellung mittels einem Papierbild und Testmuster vornehmen. Scharfstellen mit dem Negativ scheint sehr schwierig zu sein.
Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Versuch!!

 

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Ein Objektiv aus dem 3D Drucker

Von einem guten FB-Freund aus den USA bekam ich vor kurzem den Hinweis, dass die Linsen von Feldstechern durchaus als Objektive für Grossformatkameras verwendet werden können. Ich war etwas überrascht, dass solche Linsen funktionieren sollen und musste dies natürlich sofort austesten. Ich hatte noch einen alten defekten Feldstecher mit nur einem Glas, der aus dem ersten Weltkrieg stammte. Vom Alter her also durchaus passend für meine schöne LOEBER Holzkamera aus dem Jahr 1890.

eugen_loeber_fieldcamera_1890 stamped

Also konstruierte ich auf TINKERCAD ein einfaches Objektiv mit Steckblenden in den Grössen f8, f11, f22 und f32. Die Brennweite der alten Feldstecherlinse beträgt rund 160mm und passt also sehr gut zur Kameragrösse. Gedruckt wurde via ASTROPRINT.

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Die Berechnung der Lochgrössen für die Blenden ist einfach:  Brennweite 160mm geteilt in die jeweilige Blende, z.Bsp. f11: dies ergiebt für diese Steckblende eine Öffnung von 14,5mm Durchmesser.

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Die Teile aus dem 3D Drucker sind passenderweise schwarz – ein wichtiger Aspekt, wenn man Teile für Kameras druckt.

3D_PRINTED_OBJEKTIVE_AETHERMAN_V1_04web

Die Feldstecherlinse wurde dann im Objektiv eingeklebt und dieses wurde sauber mit der Kamera verschraubt.

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Nun war alles bereit für den ersten Test. Mit dem Auto ging’s zur nahen Kirche, Stativ aufgestellt, Kamera montiert und mit dem Billighandy die korrekte Belichtungszeit ermittelt. Da die Kamera keinen Verschluss besitzt sollte die Belichtungszeit etwa 4 Sekunden betragen. Also wurde Blende 22 gewählt. Das ILFORD RC DELUXE Papier im Format 13 x 18 werte ich für den „Reversal Process“ mit ISO 2 – normal hat es ISO 6.

Zurück in der Dunkelkammer konnte ich das Ergebnis kaum erwarten…

FIRST_SHOT_AETHERMAN_V1web

Die rund 100 jährige Feldstecherlinse erzeugt ein sehr scharfes Bild, gegen den Rand hin etwas abfallend. Ideal wird vermutlich f32 sein – der nächste Versuch wird dies zeigen.

 

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Der „Reversal Prozess“: Neue Versuche mit tieferen Wasserstoffperoxid-Konzentrationen

Gestern habe ich nochmals einige Versuche gemacht. Ich war neugierig, ob der Prozess auch mit tieferen Wasserstoffperoxid-Konzentrationen funktioniert. Normalerweise verwende ich eine 15%ige Lösung. Ich habe es mit 8%, 6% und mit 3% versucht. Und die Resultate waren recht verblüffend!

Bis zu einer Konzentration von 6% und meinem normalen Prozess funktionierte das Ganze recht gut. Etwas schlechter sind die Highlights im Bild und es entstanden etwas mehr „Wolken“ im Hintergrund des Bildes. Mit 3% hatte ich dann keinen Erfolg mehr. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass auch dies funktionieren könnte, wenn man die Zeiten der Schritte entsprechend verlängert. Das werde ich dann heute mal versuchen.

H2O2_different_concentrations

Folgendes Vorgehen aus meinem Labornotizbuch:

  1. Ilford Deluxe RC IV Multigrade, normal ISO 6, aktuell mit ISO 2 belichtet
  2. 3 Minuten in ILFORD PQ UNIVERSAL 1+9 entwickeln
  3. Abzug sehr gut waschen -> wichtig!
  4. 120 Sekunden in Wasserstoffperoxidlösung
  5. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung (2g Zitronensäure pro Liter Wasser)
  6. 90 Sekunden in Wasserstoffperoxidlösung
  7. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung
  8. 60 SSekunden in Wasserstoffperoxidlösung
  9. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung
  10. 30 Sekunden in Wasserstoffperoxidlösung
  11. Abzug sehr gut waschen -> wichtig!
  12. Licht an
  13. nochmals 3 Minuten in ILFORD PQ UNIVERSAL 1+9 entwickeln
  14. Abzug wässern
 

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Photogramme – einfach so zum Spass!

Heute Abend musste ich es einfach einmal versuchen: Photogramme mit dem „Reversal Process“ entwickeln und dann einzigartige Unikate als Positiv erhalten. Also wurde etwas ILFORD DELUXE RC IV MULTIGRADE Papier zurechtgeschnitten, auf den Boden gelegt und jeweils mit einer kleinen Flasche, einem klaren Bergkristall und einer Vakuumröhre belegt. Die Belichtungszeit mit der normalen Zimmer-Deckenlampe betrug rund 1 Sekunde. Entwickelt wurde gemäss Beschreibung in meinem letzten Beitrag.
Das ganze hat echt Spass gemacht und hat toll funktionert. Das mache ich ganz sicher schon bald wieder einmal…

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Der „Reversal Process“: die Experimente tragen Früchte!

Gestern konnte ich endlich einige neue Versuche mit dem „Reversal Process“ unternehmen. Diesmal habe ich das ILFORD DELUXE RC IV MULTIGRADE Papier tiefer, und zwar mit ISO 2, gewertet. Die letzten Versuche mit der Pinhole Kamera haben ja gezeigt, dass die damals verwendeten ISO 3 ein eher zu dunkles Photo ergeben.

Zudem habe ich den Prozess nochmals angepasst:

Folgendes Vorgehen aus meinem Labornotizbuch:

  1. Ilford Deluxe RC IV Multigrade, normal ISO 6, aktuell mit ISO 2 belichtet
  2. 3 Minuten in frischem ILFORD PQ UNIVERSAL 1+9 entwickeln
  3. Abzug sehr gut waschen -> wichtig!
  4. 120 Sekunden in 17%iger Wasserstoffperoxidlösung
  5. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung (2g Zitronensäure pro Liter Wasser)
  6. 90 Sekunden in 17%iger Wasserstoffperoxidlösung
  7. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung
  8. 60 Sekunden in 17%iger Wasserstoffperoxidlösung
  9. 30 Sekunden in Zitronensäurelösung
  10. 30 Sekunden in 17%iger Wasserstoffperoxidlösung
  11. Abzug sehr gut waschen -> wichtig!
  12. Licht an
  13. nochmals 3 Minuten in ILFORD PQ UNIVERSAL 1+9 entwickeln
  14. Abzug wässern

Das Resultat war echt überraschend:

20200224_9x12_reverse_ilfordMultigradeRC_ISO1,5

Folgende Erkenntnisse habe ich gewonnen:

  • Nach den Entwicklungsschritten mit ILFORD Rapid am Anfang und am Schluss muss das Bild extrem gut und gründlich gewaschen werden, damit keinerlei Rückstände des Entwicklers mehr vorhanden sind
  • Anstatt zuerst mit der Zitronensäure zu beginnen, starte ich den Prozess jetzt direkt mit dem Bleichen. Das Weiss wird klar weisser als vorher
  • Das Bleichen mit der Bildseite nach unten scheint bessere Resultate zu ergeben
  • die letzten Bleich-Schritte werden strikt durchgeführt, auch wenn das Papier schon weiss ist…

Heute werde ich das Ganze nochmals verifizieren. Ich bin gespannt!!

 

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PERUTZ Photographische Trockenplatten aus dem Jahre 1938

Vor kurzem bekam ich von einem lieben Freund aus Deutschland eine Packung mit antiken Trockenplatten aus dem Jahre 1938. Ich wollte natürlich unbedingt wissen, ob solch alte Platten noch entwickelt werden können und habe einige Versuche angestellt.

Hauptproblem bei solch alten Platten, wie auch bei altem Photopapier, ist der Verlust der Empfindlichkeit. Mein altes FORTE Barytpapier aus den 70er Jahren hat aktuell einen ISO-Wert von gerade mal 0,5. Also schätzte ich den Wert für die alten Glasplatten in etwa ähnlich – nach den Tests weiss ich jetzt, dass die Platten noch 0,25 ISO haben. Zudem haben sie leider einen Graustich und der Kontrast lässt etwas zu wünschen übrig. Doch: wer hat schon solche antiken Platten mit aktuellen Photos drauf. Ich finde die nach rund 81 Jahren belichteten Platten einfach faszinierend!!!

 

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Die „Cyanotype Exposure Machine Model 1842“

Schon länger habe ich mit der Herstellung von Cyanotypien beschäftigt. Dieser alte photographische Prozess wurde von Sir John Herschel im Jahr 1842 erfunden. Wie genau dieser faszinierende Prozess funktioniert erklärt Euch die WIKI sehr anschaulich.

Zur Belichtung der Bilder benötigt man entweder die Sonne oder eine künstliche UV-Quelle – z.Bsp. ein altes Solarium. Da die Sonne im Winter eher schwierig zu kontrollieren ist habe ich mir eine Belichtungsmaschine aus einem alten Gesichtsbräuner gebaut: Die „Cyanotype Exposure Machine Model 1842“.

Cyanotype_Exposer_3

Cyanotype_Exposer_4

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Für die ersten Testbilder benutzte ich altes Inkjetpapier ab Rolle und die selbstgebraute Lösung aus Blutlaugensalz und Ammoniumeisencitrat. Die Lösung habe ich mit einem weichen Pinsel dünn aufgetragen und gut trocknen gelassen. Das Papier muss im halbdunkeln hergestellt werden, da die gemischte Lösung bereits Lichtempfindlich ist.

Als Negativ habe ich ganz einfach ein SW-Bild invertiert und mit dem Laserdrucker auf eine Transparentfolie gedruckt.

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Danach wird ein passendes Stück beschichtetes Papier mit dem aufgelegten Negativ in einem handelsüblichen Bilderrahmen eingespannt. Es muss darauf geachtet werden, dass das Negativ satt auf dem Papier aufliegt.

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Nun wird der Rahmen auf dem Belichter platziert und während 4 Minuten belichtet. Meine „Cyanotype Exposing Machine Model 1842“ ist mit 4 UV-Röhren à je 15 Watt ausgerüstet ujd liefert somit rund 60 Watt Leistung.

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Nach der Belichtung wird das Papier aus dem Rahmen genommen und sofort im Wasserbad gewässert. Innert einigen Sekunden erscheint das Photo auf dem Papier. Gewässert wird während rund 5 Minuten. Es ist wichtig, dass alle wasserlöslichen Komponentenen aus dem Papier herausgelöst werden.

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Nach dem Wässern kann die Cyanotypie auf Papiertüchern gut getrocknet werden. Damit das Papier wieder völlig flach wird, kann es auch über Nacht in einer Buchpresse eingespannt werden.

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Das war jetzt eine „Schnell-Einführung“ in die faszinierende Welt der Cyanotypie. Vielleicht packt es den einen oder die andere von Euch ebenfalls. Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spass beim experimentieren!

 

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