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«John Carter» – Ein neuer Film mit Steampunk Elementen

06 Mrz
Taylor Kitsch taucht als John Carter in andere Welten ein.  (FOTO: DPA)

BERLIN/DAPD. Ein Erdling wird auf einen Wüstenplaneten gebeamt, auf dem sich exotische Völker die Köpfe einschlagen. Eine luftig bekleidete Prinzessin versucht verzweifelt, ihr Reich vor dem Untergang zu bewahren. Und ab und zu schweben drei bläuliche Wesen mit langen Kutten ein: Engel? Jedi-Ritter? Die heiligen drei Könige? Von Anfang an erscheint das opulente Fantasy-Spektakel «John Carter»als eine Serie von Déjà-Vus. Doch es ist umgekehrt: die Romane, auf denen das Epos basiert, haben berühmte Fantasy- und Sci-Fi-Filme inspiriert.

Die «John Carter»-Buchreihe von Edgar Rice Burroughs kennt in den USA jedes Kind. 1912 veröffentlichte der Schriftsteller mit «Die Prinzessin vom Mars» die erste Geschichte über den ehemaligen Bürgerkriegssoldaten John Carter, den es auf den Mars verschlägt. Der Vielschreiber erfand auch Tarzan, doch seine «Mars»-Abenteuer entfalteten die größte Wirkung und inspirierten zahllose Fantasy-Streifen von «Dune» über «Star Wars» bis zu «Avatar». Die langerwartete Verfilmung zum 100. Geburtstag des Serienhelden liegt in den Händen von Andrew Stanton, eines ausgesprochenen Fans und zugleich Schöpfer genialer Trickfilme wie «Findet Nemo» und«WALL-E».

Der Vater aller Sci-Fi- und Fantasy-Epen

Die Story ist nicht unkompliziert und braucht mehrere Prologe, bis sie in die Gänge kommt. Im 19. Jahrhundert sucht der desillusionierte Soldat John Carter nach einem Goldschatz, wird von Indianern verfolgt und versteckt sich in einer Höhle. Von dort gerät er mittels eines mysteriösen Medaillons in eine Wüstenei, die sich als der Planet Mars – in Marsianer-Sprache «Barsoom» – entpuppt. Es folgen ständige Scharmützel zwischen dem Stamm der Tharks und zwei humanoiden Völkern. Die Heirat der Heliumiten-Prinzessin Dejah mit dem Anführer der Zonaganer soll das ewige Schlachten beenden. Die wahren Strippenzieher sind aber die Therns, die finstere Pläne verfolgen.

Stanton serviert mit einem geschätzten Budget von 250 Millionen US-Dollar (190 Millionen Euro) bombastische Hingucker in 3D. Da gibt es grünliche vierarmige Lulatsche mit den Mienen von Stars wie Willem Dafoe, es gibt Flugmaschinen im Steampunk-Design, wandernde Städte, und einen pfifferlingsförmigen Felsen, auf dessen Touch Screen die Landkarte der Galaxien sichtbar gemacht wird. Dank geringerer Schwerkraft kann Carter Riesenhopser machen und wird als Mars-Tarzan zu einem bei allen Parteien gefragten Mann. Es gibt Gladiatorenkämpfe mit zottigen Monstergorillas, eine heiße Braut im Glitzerbikini und weiteren pittoresken Mummenschanz.

Blaues Blut auf dem roten Planeten

Leider aber hat man diese Sensationen so ähnlich schon oft gesehen. Und leider ist die computeranimierte Thark-Mischpoke spannender als die humanoiden Außerirdischen. Unterirdisch sind dagegen die Dialoge; mit realen Schauspielern kann Stanton wenig anfangen. Besonders lahm ist die Romanze zwischen Carter und Dejah, obwohl sich mit Lynn Collins und Taylor Kitsch zwei angesagte Jungstars, die bereits zusammen in «Wolverine» auftraten, anschmachten. Auch erscheint dieser Disney-Familienfilm recht brutal, obwohl auf dem roten Planeten das Blut blau fließt.

Insgesamt schleppt sich der über zweistündige Mars-Trip so schwerfällig dahin wie die elefantösen Reittiere der Tharks. Und wer die Romanvorlage nicht kennt, wird im Marsianer-Auftrieb bald den Überblick verlieren. Fraglos aber sieht dieser Ausflug in die Mottenkiste des Fantasy-Genres gut aus. Deshalb dürften sich Jungs und nostalgische Erwachsene am holprigen Drehbuch nicht weiter stören und dem miesmuffeligen Helden – Taylor Kitsch schaut ständig drein, als ob ihn seine Mama zum Aufräumen seines Zimmers verdonnert hätte – alle Daumen drücken, dass eine Fortsetzung seiner Marsreise gedreht wird.

USA 2012

132 Minuten

FSK: 12

Verleih: Walt Disney

Regie: Andrew Stanton

Darsteller: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton, Mark Strong, Ciarán Hinds, Willem Dafoe u.a.

Kinostart: 8. März 2012

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Verfasst von - 6. März 2012 in Steampunk News

 

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