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Affinity Bridge – ein Steampunk-Roman von George Mann

28 Feb

George Mann bringt in „Affinity Bridge“ zwei populäre Genres zusammen: Krimi und Fantasy. In seinem Stempunk-Roman ermittelt Sir Maurice Newbury zusammen mit seiner Assistentin Veronica Hobbes im viktorianischen London.

„Affinity Bridge“ – ein Fall für Newbury und Hobbes

Ein hochmodernes Luftschiff ist abgestürzt. Alles Insassen sind bei dem Unglück ums Leben gekommen, nur der Pilot ist verschwunden. Ein Rätsel, das Sir Maurice Newbury im Auftrag der englischen Krone möglichst schnell lösen soll. Denn der Absturz ist nicht sein einziger Fall. Scotland Yard hat ihn auch zu einer Mordserie hinzugezogen, deren Opfer vor allem in den Armenvierteln der Hauptstadt des Empires zu finden sind. Zeugen berichten von blauem Licht und einem Polizisten, doch auch von Wiedergängern ist die Rede. Diese Zombies stehen im Zusammenhang mit einer Seuche, die aus Indien nach Großbritannien eingeschleppt wurde. Hängen die Ereignisse irgendwie zusammen? Newbury und seine Assistentin Veronica Hobbes haben langwierige Ermittlungen vor sich.

„Affinity-Bridge“ ist ein Steampunk-Roman von George Mann

Die Geschichte von „Affinity-Bridge“ ist im London des Jahres 1901 angesiedelt, jedoch nicht im historischen London. Wie bei Steampunk üblich ist der technologische Standard ein anderer. So sind dampfmaschinenbetriebene Droschken unterwegs und durchziehen Luftschiffe den Himmel, die bereits bis Indien verkehren und damit den realen Stand der Technik Anfang des 20. Jahrhunderts übertreffen. Und auch die Erklärung für das lange Leben Königin Viktorias hat bei George Mann keinen rein biologischen Hintergrund. So monströs wie bei Jonathan Barnes ist das Königshaus allerdings nicht.

Der britische Autor, geboren 1978 in Darlington, hat sich jedoch nicht nur historischer Vorbilder bedient. Seine Figur des Ermittlers in Diensten der Krone, Sir Maurice Newbury, trägt Züge der beiden Holmes-Brüder: Mycroft Holmes ist bei Sir Arthur Conan Doyle für die britische Regierung in geheimdienstähnlichen Aktivitäten unterwegs, der berühmte jüngere Bruder Sherlock Holmes hingegen ist drogenabhängig – ganz wie Maurice Newbury bei George Mann. Eher an die Fernsehserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ erinnert hingegen die Konstellation Newbury-Hobbes, auch wenn die Feministin Veronica Hobbes im Viktorianischen Zeitalter noch nicht so viel Action zeigen darf wie Emma Peel als Agentin in den 1960er-Jahren.

„Affinity Bridge“ erreicht nicht das Niveau der Holmes-Geschichten

Die Anspielungen auf berühmte Vorbilder sind in „Affinity Bridge“ gut gelungen. Das trifft weniger auf die Konstruktion des Falls zu. Der ist für erfahrene Leser von Detektivromanen leicht zu lösen. Auch reichen die deduktiven Fähigkeiten von Newbury längst nicht an die von Sherlock Holmes heran. Die Figuren Newbury und Hobbes versprühen bei ihrem ersten großen gemeinsamen Auftritt auch noch nicht den Charme, den Ermittlerpärchen sonst mitbringen, die auf Gegensätzen aufgebaut sind. Von einem verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden kann auch keine Rede sein. Im Gegenteil: Es stellt Leser schon arg auf die Geduldsprobe, wenn in Dialogen die Informationen wiederholt werden, die gerade im Text genannt waren. Die Stärken von „Affinity Bridge“ liegen eher in der Schilderung der Atmosphäre des mit Wasserdampf zusätzlich vernebelten Londons und in der Diskussion über Fluch und Segen des technischen Fortschritts sowie über künstliche Intelligenz.

„Affinity Bridge“ ist nur der erste Band einer ganzen Reihe. Während sich bei Fantasy-Geschichten die Trilogie als häufigste Form durchgesetzt hat, sind es bei Krimis meist ganze Serien, bei denen in jedem Teil ein Fall gelöst wird. George Mann hat sich weitere Fälle für sein Duo Newbury-Hobbes einfallen lassen und diese in Romanen und Kurzgeschichten verarbeitet. Sechs Romane wird die Serie mindestens umfassen. Eine Übersicht mit Zeitschiene steht auf der Website des Autors. Dort können sich Leser auch kostenlos die englische Fassung der Kurzgeschichten herunterladen.

George Mann: Affinity Bridge. Piper 2011. Broschiertes Taschenbuch, 448 Seiten

via Affinity Bridge – ein Steampunk-Roman von George Mann | Suite101.de

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Verfasst von - 28. Februar 2012 in Steampunk News

 

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